Generation X gegen Z, Babyboomer gegen Millenials – schon seit Jahren beobachtet Bernhard Heinzlmaier (65) die Konflikte, die verschiedene (soziologische) Generationen miteinander führen. Er sieht einen neuen, größeren und tiefgreifenden Generationenkonflikt schwelen, der darin bestehe, dass jeder denke, die Wahrheit zu kennen und keine Kompromisse eingehen wolle. Schlussfolgerungen aus über 30 Jahren Jugendkulturforschung hat der Wiener Sozialwissenschaftler in seinem neuem Buch „Babyboomer gegen Generation Z: Vom Ende des neuen Biedermeier“ verarbeitet. Die Konfliktlinie verlaufe bei den heute 40-Jährigen, dort werden die Generationen in zwei Gruppen unterteilt, die sich gegenüberstehen.
Heinzlmaier sieht einen Widerspruch im Verhalten der Helikoptereltern, die ihre Kinder im wahren Leben einerseits überbehüten, sie in der digitalen Welt aber andererseits komplett alleine lassen. Weil sie wenig Erfahrungen alleine machen konnte, scheut diese junge Generation verantwortungsvolle Positionen, hat Furcht vor der Freiheit und sucht Sicherheit in einem überbehütendem Staat. Die Generation Z ist permanent auf der Suche nach spektakulären Eindrücken in den sozialen Medien, die man im realen Leben fürchtet. Ihr Alltag ist geprägt von einer rund-um-die-Uhr-Betreuung in der digitalen Welt, in der man versinkt. Die Mediensozialisation unterscheidet die Generationen voneinander, weil die Welt ganz anders erlebt wird: Statt einem Medium ausgeliefert zu sein, ist die heutige Generation mit Medien und Eindrücken überversorgt. Das ist ein Grund für das Verhalten der jungen Generation (Z).
So entstehe ein anderer Typus an Mensch, sagt Heinzlmaier, der auch das gesellschaftliche Miteinander und den politischen Raum ganz anders prägt: ängstlich, besorgt, zurückgezogen, anpassungsorientiert. Er empfiehlt, den Medienkonsum zurückzuschrauben, medienfreie Zonen zu schaffen und die Kinder wieder zu aktiven statt passiven Menschen erziehen und so das gegenseitige Miteinander auch über die Familien hinaus wiederzubeleben. Statt die Bildung zu digitalisieren, empfiehlt Heinzelmaier, wieder mehr Kultur einzuführen und den Kindern einen Umgang vorzuleben, der auf einer diskursiven Ebene geführt wird.

Mein Interview mit Bernhard Heinzlmaier zu seinem Buch: https://youtu.be/ei9nqzmDENM?si=0Av0GA3UnSwuOZXo
Hier geht’s zur Buchpräsentation, die ich als Kooperation mit Idealism Prevails gefilmt habe: https://www.youtube.com/watch?v=tzihkoowakw
Bernhard Heinzlmaier (Jahrgang 1960) ist ein Wiener Sozialwissenschaftler und Mitgründer sowie der ehrenamtliche Vorsitzende des Instituts für Jugendkulturforschung in Wien-Alsergrund. Hauptberuflich leitet er das Marktforschungsunternehmen t-factory in Hamburg. Seit Ende der Achtziger Jahre forscht Heinzlmaier zur Jugend und was sie um- und antreibt, beeinflusst und wie ihre Beziehungen zur Elterngeneration ist. Seine Hauptschlussfolgerung: „Die Jugend wird konservativer.“ Sein neues Buch „Babyboomer gegen Generation Z: Vom Ende des neuen Biedermeier“ (2025) ist im Promedia Verlag erhältlich.
I.C.L., 2025
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